Das schweizerische Schulsystem [fr]

Zwischen den Schulsystemen der Schweiz und Frankreichs bestehen Unterschiede, die hauptsächlich den Beginn und die Dauer der unterschiedlichen schulischen Stufen betreffen. Die Kinder in der Schweiz besuchen den Kindergarten später, die Grundschule dauert ein Jahr länger als in Frankreich und die Gymnasialschüler beenden ihre Schulzeit mit 19 Jahren.

Vergleich zwischen dem französischen und schweizerischen Schulsystem
Alter Frankreich {{}} Schweiz {{}}
3/4 École maternelle PS (petite section)
4/5 MS (moyenne section) Vorschulstufe 1ere
5/6 GS (grande section) 2e
6/7 École élémentaire CP Primarstufe 3e
7/8 CE1 4e
8/9 CE2 5e
9/10 CM1 6e
10/11 CM2 7e
11/12 Collège 6e 8e
12/13 5e Sekundarstufe I 9e
13/14 4e 10e
14/15 3e 11e
15/16 Lycée 2nd Sekundarstufe II 12e
16/17 1ere 13e
17/18 Terminale 14e
18/19 15e

Das Bildungswesen ist in der Schweiz Zuständigkeit der Kantone, wodurch es zu einer grossen Vielfalt kommt.
Allerdings wurde in mehreren Bereichen eine gewisse Harmonisierung durchgeführt.

Die Schulpflicht

Sie dauert 11 Jahre. Sie beginnt mit 4 Jahren in der Vorschulstufe. Mit sechs Jahren geht das Kind in die Primarschule, die sechs Jahre dauert. Danach beginnt die Sekundarstufe I (in der Romandie auch „Cycle d’orientation“ genannt), die 3 Jahre dauert.

Nach Ende der Schulpflicht

Nach Ende der Schulpflicht stehen drei Schul- bzw. Ausbildungsformen zur Auswahl, das Gymnasium, die Fachmittelschule (Sekundarstufe II) und die Berufsbildung.

  • Die berufliche Grundbildung, die eine Ausbildung im „dualen System“ darstellt, findet abwechselnd in einem Unternehmen und einer Schule statt. Sie kann drei oder vier Jahre dauern und endet mit dem Erwerb des Eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses (EFZ). Andernfalls kann sie auch nur zwei Jahre dauern und mit einem Eidgenössischen Berufsattest (EBA) abgeschlossen werden. Im landesweiten Durchschnitt absolvieren 65% der Schweizer zwischen 15 und 20 Jahren eine Berufsbildung. Diejenigen Schüler, die ihre Ausbildung danach fortsetzen möchten, können eine Berufsmaturität ablegen.
  • Die Fachmittelschule kombiniert eine allgemeinbildende Ausbildung mit fachspezifischen Kursen, die es erlauben, eine Berufsbildung zu absolvieren, etwa in den Bereichen Gesundheits- und Sozialwesen. 15% der Schweizer zwischen 15 und 20 Jahren absolvieren eine fachspezifische Ausbildung in einer Fachmittelschule, die mit einer Fachmaturität abgeschlossen werden kann.
  • Die Gymnasialausbildung kann an einem Kollegium, Lyzeum oder Gymnasium absolviert werden (die Bezeichnungen variieren). Im landesweiten Durchschnitt belegen 20% einer Altersstufe diesen Bildungszweig, der nach drei Jahren mit einer gymnasialen Maturität abgeschlossen wird (entspricht in Frankreich dem „baccalauréat général“). Dieser Anteil variiert allerdings je nach Kanton stark: Er ist in den deutschsprachigen Kantonen traditionell niedriger (zugunsten der Berufsbildung) und erreicht bis zu 40% im Kanton Genf (landesweiter Höchstwert).
Schulische Inhalte

Für die schulischen Inhalte wurden gemeinsame Standards festgelegt. Diese sehen vor allen Dingen den Unterricht in zwei Fremdsprachen in der Primarschule im 5. Jahr (CE2) und im 7. Jahr (CM1) vor. In den Kantonen der Romandie lernen alle Schüler zuerst Deutsch und dann Englisch. In sechs deutschsprachigen Kantonen, die nahe der Sprachgrenze liegen, wird zuerst Französisch unterrichtet und dann Englisch, in den übrigen Kantonen in der entgegengesetzten Reihenfolge.

  • In bestimmten Einrichtungen können die Schüler zweisprachige Kurse belegen. Im Rahmen der obligatorischen Schulausbildung ist dies insbesondere in den zwei- oder mehrsprachigen Kantonen der Fall, die solche Schulzweige anbieten. Die zweisprachige Ausbildung im Rahmen der obligatorischen Schulausbildung ist Zuständigkeit der Kantone oder der Städte und es existieren diesbezüglich keine Statistiken.
  • In der Sekundarstufe II verfügen fast 70% der Gymnasien über ein zweisprachiges Angebot. Eine entsprechende Liste zu diesem Angebot wurde vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation veröffentlicht (SBFI).
  • Das Reglement der Schweizerischen Maturitätskommission für die Anerkennung kantonaler zweisprachiger Maturitäten von 2012 gibt an, dass die unterrichtete Fremdsprache eine schweizerische Landessprache (Französisch, Deutsch, Italienisch oder Rätoromanisch) oder das Englische sein muss. In der gesamten Schweiz ist in den allermeisten Fällen Englisch die unterrichtete Fremdsprache (65), gefolgt von Deutsch (28) und Französisch (17).
  • Die Schüler erhalten eine Ausbildung in der Immersionssprache in mindestens zwei nichtsprachlichen Fächern, im Allgemeinen in Geschichte und Mathematik, und müssen ihre Maturaarbeit in der Immersionssprache verfassen.

Letzte Änderung 14/12/2017

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